Luxuswein – von Mouton Rothschild bis Masseto

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Lieber Weinfreund!
Es gibt sie, die Weine, von denen jeder schon mal gehört hat, aber die auf keinen Fall zu den alltäglichen Weinen gehören. Sicherlich gibt es einen erlesenen Kreis von Weintrinkern, die es sich leisten können, des Öfteren einen Luxuswein zu trinken. Aber für mich ist es geradzu unvorstellbar, täglich Weine um € 700,- oder mehr zu trinken. Ich kann mich noch genau an eine Flasche Mouton Rothschild erinnern. Meine Mutter hatte sie Jahrelang – ach was – jahrzehntelang behütet und als der große Augenblick kam, haben wir jeden Schluck genossen. Es war für uns ein besonderes Privileg, diesen Wein trinken zu dürfen.

Luxuswein – Angebot und Nachfrage?

Es ist ausgesprochen interessant, wie unterschiedlich auch Weinfreunde dieses Thema sehen. Was für den einen ein verrückt teurer Wein ist, ist für den anderen alltäglich. Man sollte Weine nicht an ihrem Preis festmachen, denn es gibt verschiedene Faktoren, die den Preis bestimmen. Natürlich ist die Weinproduktion um einiges aufwändiger als es bei so manch anderem Wein der Fall ist. Aber schlussendlich sind es Angebot und Nachfrage, die den Preis bestimmen. Auch die unterschiedlich hohen Bewertungen diverser Weinkritiker beeinflussen den Preis stark.

5 bekannte Luxusweine, die noch leistbar sind

Doch bis ein Wein bzw. Winzer so weit kommt, um soviel verlangen zu können, bedarf es einer Vorgeschichte. Und hinter allen fünf Luxusweinen dieser Woche steckt eine interessante Geschichte.

Was für mich eine Rarität unter den Weinen ausmacht, kannst du in diesem Beitrag lesen:
Robert Parker Bewertung, oder was macht einen Wein zur Rarität?


Château Mouton-Rothschild und seine Geschichte

Bis Mitte des 18 Jhd. war es Teil des Château Lafite, mit dessen Grundbesitz es eng verschachtelt ist. Dann erwarb es die Familie de Brane. Baron Hector de Brane wurde wegen seines Beitrages zur Entwicklung des Medocs sogar als „Napoleon der Reben“ bezeichnet. Mit seinem Nachbarn zusammen soll er den Cabernet Sauvignon in Bordeaux eingeführt haben. Nach dem Verkauf des Weinguts 1830 an Monsieur Thuret gelangte es im Jahre 1853 in die Hand von Baron Nathaniel de Rothschild. Er wollte seinen Gästen guten Wein mit seinem Namen am Etikett servieren.

Mouton-Rothschild und die Kunst

Von nun an hieß das Weingut Mouton Rothschild. Bei der Klassifikation von 1855 wurde das Weingut nur als 2es Crus eingestuft. Dies war der Familie zwar nicht recht, wurde aber so hingenommen. Der 1924er ist der erste direkt am Schloss abgefüllte Jahrgang. Bis zu diesem Zeitpunkt gab man die Fässer einem Händler, der diesen dann in Flaschen abfüllte. Auch mit diesem Jahrgang begann Baron Philippe de Rothschild die Tradition, das Etikett von einem Künstler gestalten zu lassen. Leider war er seiner Zeit voraus und so konnte er die Tradition erst mit dem Jahrgang 1945 etablieren. Viele Künstler, darunter Andy Warhol, Pablo Picasso, Salvador Dali, Marc Chagall etc. gestalteten seither das Etikett. Sogar Prinz Charles durfte schon ein Bild zur Verfügung stellen. So ist eine beachtliche Sammlung von Kunstwerken entstanden, welche gerne in verschiedenen Museen gezeigt wird.

Château Mouton-Rothschild 2017 – Hallelujah!

Das Bild auf dem von mir vorgestellten 2017er Jahrgang gestaltete die französische Künstlerin Annette Messager. Es trägt den Namen „Hallelujah“ und verbindet Milch und Wein als nährende Substanzen. Im Jahre 1926 wurde die große 100 Meter lange Grand Chai (eine Halle, in der die Barriquefässer gelagert werden) gebaut, weil durch die Abfüllung am Chateau mehr Lagerraum benötigt wurde. Dieser Bau ist legendär, denn er fasst fast 1000 Fässer auf einer Ebene und wurde vom Architekten Charles Siclis geplant.

Nach langem Kampf von Baron Philippe wurde das Weingut in den Premier Crus Classé Status erhoben. Das einzige Weingut im Bordeaux, dem dieser Aufstieg gelungen ist. Das Dekret wurde von Jacques Chirac unterzeichnet, der damals französischer Landwirtschaftsminister war.

Der Aufstieg zum Luxuswein

Nach dem Tod von Philippe de Rothschild übernahm seine einzige Tochter Baronesse Philippine de Rothschild die Leitung des Weingutes. Sie führte es bis zu ihrem Tod 2014 und nun wird es von ihren drei Kindern Camille, Philippe und Julien geführt.

Luxuswein Château Mouton Rothschild 2017

Der 2017er Mouton Rothschild besteht zu 90% aus Cabernet Sauvignon, 9% Merlot und 1% Petit Verdot. Er hat eine tiefe und intensive Farbe. In der eleganten Nase findet man Aromen von Waldbeeren. Nach dem Belüften finden sich auch schwarze Johannisbeerknospen, getrocknete Blumen und Pfeffer in perfekter Harmonie. Am Gaumen ist er frisch, klar und gut strukturiert. Man spürt, dass dieser Wein viel Potenzial hat.


Almaviva

ist ein Joint Venture, welches von Baronin Phillipine de Rothschild und Eduardo Guilisasti Tagle, dem Geschäftsführer von Concha y Toro in Chile, gegründet wurde. Unter der technischen Supervision beider Weinbauspezialisten ist es gelungen, einen franko-chilenischen Luxuswein zu erzeugen, welcher seit seinem ersten Jahrgang 1998 großes Aufsehen erregt. Dieser Wein ist in einem sogenannten Château Konzept eingebettet, was bedeutet, dass nur ein einziger Wein von erlesener Qualität erzeugt wird.

Viele von uns kennen den Grafen Almaviva aus Mozarts „La Nozze di Figaro“. Daher stammt auch der Name des Weines und stellt den französischen Teil seiner Herkunft dar. Das Etikett wiederum ist eine Reminiszenz an Chile und seine Ureinwohner, den Mapuche. Die Kreise sollen die Erde und den Kosmos darstellen. Die Ursprungsgeschichte von Figaros Hochzeit entstammte der Feder des französischen Schriftstellers Beaumarchais, in dessen Originalhandschrift der Name Almaviva am Etikett steht. So verbinden sich zwei Kulturen und versprechen der Erde ein großes Geschmackserlebnis.

Luxuswein Almaviva 2018

Der Jahrgang 2018 besteht aus 72% Cabernet Sauvignon, 19% Carménère, 6% Cabernet Franc und 3% Petit Verdot. 2018 war in Chile einer der besten Jahrgänge seit Jahrzehnten. Dieser Luxuswein ist vielschichtig, von außergewöhnlicher Balance, Eleganz und Komplexität. Dies brachte ihm 98 Punkte bei James Suckling ein. In der Nase riecht man sowohl reife Cassisnoten, Brombeeren, Schwarzbeeren und Veilchen als auch feine Tabak Noten, Zedernholz und Kaffeebohnen. Im Mund spürt man seine üppige Textur, die feine Säure und seine edle Tanninstruktur. In ihm vereint sich das Beste aus beiden Welten und man merkt, dass es sich um einen großen Jahrgang handelt.

Das Weingut selbst befindet sich am höchsten Punkt des Maipo Tals, welches ideale Bedingungen für die Kultivierung des Cabernet Sauvignon bietet. Der Boden ist ideal für den Anbau schwerer Rotweine, denn bis in 50 cm Tiefe ist er lehmig, darunter befinden sich Kies und Felsen und sorgen für eine optimale Drainage.

Natürlich besitzt auch Almaviva eine „grand Chai“, in der die Weine in Barriquefässern reifen. Und diese Grand Chai macht dem Original in Paulliac fast ein bisschen Konkurrenz 😉


Masseto

Ein Hügel in der Nähe von Bolgheri. Ein Weinberg, der lange unentdeckt und vor allem unbepflanzt war. Keiner hielt es für möglich, dass hier ein großer Luxuswein wachsen könnte. Doch bereits der erste Versuch 1986 deutete auf etwas Außergewöhnliches hin. Seither baut man hier reinen Merlot in absoluter Perfektion an. Das Klima in Bolgheri scheint perfekt für diese Rebsorte zu sein. Der Hügel, auf dem der Wein wächst, heißt Masseto und so wurde er zum Namensgeber. Ein magischer Ort, der sowohl umgeben von Wäldern als auch von einer Meeresbrise geküsst ist. Und auch der blaue Lehm im Boden trägt zu seinem einzigartigen Geschmacksprofil bei. Die Familie Frescobaldi, eine der bekanntesten Weinbaudynastien in der Toskana, entdeckte diesen Weinberg und bepflanzte diesen.

Ich kann euch den Film „The Aura of Masseto“ sehr ans Herz legen. In diesem Film wollte Regisseur Yuri Ancanari vor allem die Natur mit ihrer Rauheit und Kompromisslosigkeit widerspiegeln. Wunderschöne, einzigartige Bilder sind dabei entstanden.

Masseto 2017 Luxuswein

Die Rauheit des Meeres, die Besonderheit des Terroirs durch den blauen Lehm sowie die vielen Sonnenstunden lassen einen einzigartigen und besonderen Luxuswein entstehen, welchen es nirgends sonst auf der Welt in dieser Dichtheit geben kann. Ein Muss für jeden Weinfreak.

Kleine Information am Rande: Der Wein verfügt über ein RFID Etikett. Dieses macht den Wein absolut fälschungssicher.


Overture

Der Zweitwein von Opus One ist fast so rar wie sein großer Bruder und muss sich absolut nicht verstecken! Er kommt aus dem bekanntesten kalifornischen Weinanbaugebiet, dem Napa Valley.

Wein ist für mich Leidenschaft. Er ist Familie und Freunde. Er ist die Wärme des Herzens und die Großzügigkeit des Geistes.

Robert Mondavi

Wir schrieben das Jahr 1970, als sich Robert Mondavi und Baron Philippe de Rothschild (ja der schon wieder 😉) zufällig auf Hawaii über Weinbau unterhielten und den Gedanken sponnen, ein gemeinsames Weingut im Napa Valley zu gründen, um dort einen Luxuswein im „Bordelaiser Stil“ zu produzieren. Es dauerte noch bis zum Jahr 1978, bis der Plan in die Tat umgesetzt wurde. Doch dann ging es ruck zuck und bereits im Jahr 1984 konnte man den ersten Opus One erstehen. Der Wein wird in den besten Lagen des Napa Valley angebaut. Die vier Parzellen liegen im westlichen Teil des Oakville AVA. 2 Parzellen von gesamt 100 Hektar befinden sich sogar im berühmten To Kalon Vineyard. Ballestra sowie River ergänzen die Rebfläche noch um 70 ha. Der Wein wird von Hand gelesen, auch wenn man dem Fortschritt, wo er angebracht ist, immer offen gegenüber steht.

Es werden fünf für Bordeaux typische Rebsorten angepflanzt. Cabernet Sauvignon, Petit Verdot, Merlot, Cabernet Sauvignon und Malbec. Das Gebiet ist wirklich hervorragend für deren Kultivierung geeignet.

Overture

Bei diesem Luxuswein handelt es sich um eine Jahrgangscuvée. Das heißt, dass zum aktuellen Jahrgang noch Wein aus den letzten zwei Jahrgängen dazu gegeben wird. Eine sehr interessante Cuvée entsteht und der Wein ist daher ein Non Vintage Wein. Sehr begehrt, seit er im Jahre 1993 kreiert wurde. Ich finde diese Art der Weinbereitung extrem interessant. Der Wein profitiert von den weicheren Aromen der gereifteren Jahrgänge und es gibt ihm eine sehr eigene Aromatik nach roten Beeren, Zeder und dunkler Schokolade. Ein Wein, den du auf jeden Fall einmal probiert haben solltest.


L‘Eremite

M. Chapoutier

Wer mich kennt, der weiß, dass ich sehr schwer um das Rhônetal herumkomme, wenn es um große Rotweine geht. Wer sich hier auskennt, weiß, dass eine der bekannten Weinlagen im Rhônetal die Hermitage ist. Allein Chapoutier hat die Möglichkeit, Lagenweine aus der Großlage Hermitage anzubieten.

Das Weingut besteht seit 1808 und seit 1897 bestimmt die Familie Chapoutier die Geschicke des Weingutes. Seit 1990 setzt die Familie auf biologischen und biodynamischen Weinbau.

Doch die Besonderheit stellen die Einzellagen dar, denn sie sind eine exakte Widerspiegelung des Terroirs. Sie geben jede auch noch so kleine Klimaschwankung wieder. Da die Möglichkeit der Cuvéetierung fehlt, sind dies für Michel Chapoutier die ehrlichsten Weine. Auch der biodynamische Weinbau kann hier seine enorme Bedeutung zeigen.

l'ermite 2006 chapoutier

Ganz oben am Weinberg Eremitage sitzt die Lage L‘Eremite in der Nähe der Kapelle. Der Einsiedler. Ein sehr besonderer Wein aus 100% Syrah. Der Boden ist karg und besteht aus Tournon Granit. Die Reben sind 80 Jahre alt und nur tote Pflanzen ersetzt man durch Neue. Viele Reben sind noch Präreblaus. Seit 1990 wird der Weinberg biodynamisch gepflegt und so findet die Lese erst bei phenolischer Reife per Hand statt, was auf diesem Weinberg auch nicht anders möglich wäre. Die entstielten Trauben werden nicht gepresst, sondern nur der frei ablaufende Saft wird aufgefangen. Nach einer 4-6-wöchigen Mazeration wird der Luxuswein zu 70% in teils neuen sowie teils gebrauchten Barriquefässern gereift. Je nach Jahrgang kann der Wein zwischen 30-60 Jahren teilweise bis 75 Jahre gelagert werden. Absolut faszinierend! Mal schauen, ob wir soooo lange mit dem Genuss dieses edlen Tropfen warten können.


Ich hoffe, ihr seid von den Weinlegenden genauso begeistert wie ich. Es steckt nämlich hinter jedem Wein eine wirklich besondere Geschichte. In diesem Sinne wünsche ich noch viel Spaß beim Probieren…. Ich weiß im Moment gar nicht, für welchen ich mich entscheiden würde! 😉

Prost! Eure Maria
Vinothek Nagele


Ps.: Unsere Blog-Artikel sind mit einem Augenzwinkern zu lesen, denn ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol ist eine Grundvoraussetzung!

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