5 Geschmacksrichtungen – Wie wir den Geschmack von Wein wahrnehmen

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Liebe Weinfreunde!
Im dritten Hauptthema unserer Weinschule widme ich mich ganz dem „Schmecken“ des Weines, also wie wir den Geschmack von Wein wahrnehmen. In diesem Bereich wurde in den letzten Jahren sehr viel geforscht, so weiß man heute über die Existenz der Geschmacksrichtung „UMAMI“. Hier erfährst du grundlegend, welche Geschmacksrichtungen wir schmecken und wie sie mit dem Schmecken von Wein in Verbindung stehen.
Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen!

Hier findest du noch die anderen Themen unserer Weinschule:
1. „Sehen“
Welche Weinfarben gibt es beim Weisswein?
Weinfarben vom Rotwein und Roséwein!
2. „Riechen“
Weinaromen im Rot- und Weißwein
5 Weinfehler, die du kennen solltest!

Warum wir einen Geschmackssinn haben

In grauer Urzeit sicherte der Geschmacksinn in gewisser Weise unser Überleben, denn er half uns dabei giftige und unreife Lebensmittel zu enttarnen. Sie schmeckten meist säuerlich oder bitter. War ein Lebensmittel hingegen besonders süß, salzig oder schmeckte Umami, so konnten unsere Vorfahren von einer besonderen Nährstoffdichte ausgehen. Heute weiß man, dass man überall auf der Zunge dieselben Empfindungen hat und gleich gut schmecken kann.

Wie funktioniert der Geschmackssinn?

Früher dachte man, dass die Zunge in Sektionen eingeteilt ist in denen man süß, sauer, salzig, bitter oder Umami schmecken kann. Dabei ist der Prozess des Schmeckens sehr interessant. Wenn etwas auf deine Zunge kommt, dann entsteht eine chemische Reaktion, die die Proteine in deinen Geschmacksknospen verändert. Sofort wird ein Reiz im Nerv ausgelöst, und so nimmt dein Gehirn den Geschmack wahr. Daher ist scharf auch kein Geschmack, sondern ein Schmerzreiz. Bitter nehmen wir besonders intensiv wahr, da verdorbene oder giftige Lebensmittel auf keinen Fall in den Rachen gelangen sollen. Auch wieder eine Überlebensstrategie des Körpers.

Was kann unser Geschmackssinn außer schmecken noch?

Die Zunge und unser gesamter Rachenraum leisten Unglaubliches. Die Sinneszellen unserer Geschmacksknospen können nicht nur erkennen wie intensiv eine der Grundqualitäten ausfällt, sondern auch die Konsistenz, die Temperatur und Gerüche erkennen. Das fasziniert mich immer wieder auf’s Neue. Und allen Rauchern sei mittgeteilt, dass sich die Sinneszellen alle paar Tage erneuern. Wenn du heute das Rauchen lässt, hast du in zehn Tagen ganz neue Geschmackserlebnisse;-)

Der perfekte Geschmack vereint für uns Menschen alle 5 Geschmacksrichtungen in unterschiedlichen Verhältnissen. Das lieben wir. Und daher kann auch nur ein Wein, der alles in sich vereint, für uns perfekt schmecken.


Die 5 Geschmacksrichtungen

Geschmack Salzig

Salz - Geschmackssinn salzig

Wenn du dir jetzt denkst, salzig kann ein Wein nicht schmecken, dann stimmt das nicht, denn die Mineralstoffe im Wein nimmt die Zunge sehr wohl war. Natürlich wird ein Wein nie vordergründig salzig schmecken, aber der Hauch an gelösten Salzen kann den Unterschied machen. Das Wort Mineralität wird dafür oft verwendet und beschreibt den Geschmack im Wein, den wir als „salzig“ wahrnehmen. Dies ist aber eigentlich kein richtiges Attribut für einen Wein. Ich finde, dass man das Salzige am besten in einem Sherry Fino schmeckt. Bei sehr trockenen Weißweinen kann sich die Zunge auf diesen Geschmack fokussieren. Auch ein sehr trockener Muscat aus der Loire schmeckt meiner Meinung nach etwas salzig. Nicht zu verwechseln mit dem gelben Muskateller, denn der Muscadet wird aus der Rebsorte Melone de Bourgogne gekeltert.

Geschmack Bitter

Geschmacksrichtung Bitter

Eigentlich der unbeliebteste Geschmack, aber die Gerbstoffe im Wein schmecken leicht bitter. Sie wirken auf der Zunge adstringierend. Dies bedeutet, dass alle Eiweiße, die auf der Zunge liegen, gelöst werden und ein trockenes Gefühl auf der Zunge hinterlassen. Darum trinkt man gerbstoffreiche Rotweine gerne zu roten Fleischsorten, da diese besonders eiweißreich sind. Die Gerbstoffe werden mit zunehmender Lagerung weicher. Dies können wir mit Hilfe unserer Zunge erschmecken. Je reifer das Tannin, umso angenehmer der bittere Ton auf der Zunge.

Geschmack Süß

Geschmack Süß Wein

Unser Gaumen liebt alles was süß schmeckt, denn für fast alle Menschen ist es ein Wohlgeschmack, weil der kleine Neandertaler in uns damit reife Früchte in Verbindung bringt. Eine gewisse Süße steckt in fast jedem Wein, da er aus reifen Trauben gekeltert wird. Manchmal liegt der Gehalt unter 1g Restzucker, aber trotzdem vollendet dieses eine Gramm den Geschmack des Weines. Besonders gut schmecken aber richtige Süßweine wie Trockenbeerenauslesen, Eisweine, etc… Ich liebe sie zu einem schönen Käseteller, denn der salzige Geschmack und der Fettgehalt des Käses vollenden das Geschmackserlebnis.

Geschmack Sauer

Geschmack Sauer Wein

Säure ist ein zentrales Thema beim Geschmack von Wein und nicht wegzudenken. Eine gute Säurestruktur macht den Wein erst gut trinkbar. Sie muss dennoch harmonisch und darf nicht zu rassig sein, denn sonst stört sie eher. Je süßer ein Wein ist umso mehr Säure verträgt er auch. Ich bin immer wieder überrascht, wie hoch der Säurewert eines Weines sein kann, wenn der Restzucker relativ hoch ist, denn es kommt wie immer auf die Ausgewogenheit an.

Geschmack Umami

Geschmack Umami

Sie ist die neueste Geschmacksqualität, die offiziell anerkannt ist und beschreibt einen würzigen, herzhaften Geschmack, der auf eine proteinreiche Kost hinweist. Also für den Urmenschen unerlässlich. Parmesan, Tomaten sowie Fleischsuppen sind allesamt Umami und für uns besonders wohlschmeckend. Beim Wein schmecke ich es am häufigsten im Blauburgunder, aber da Geschmäcker verschieden sind, nimmt das natürlich jeder Mensch anders wahr.


Die Kombinationen, die unsere Sinneszellen erschmecken können, sind unendlich. Das macht uns Menschen – oder zumindest mich – zu absoluten Geschmacksjunkies. Immer auf der Suche nach was Neuem. Das treibt mich an, immer wieder neue Sachen zu probieren und das macht das Leben sehr viel spannender.


Ich wünsche euch noch viele beeindruckende Geschmackserlebnisse!

Prost! Eure Maria
Vinothek Nagele


Ps.: Unsere Blog-Artikel sind mit einem Augenzwinkern zu lesen, denn ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol ist eine Grundvoraussetzung!

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